Auch wenn es zum Thema Ebay und Steuern schon sehr viele Gerichtsurteile gab, bleiben noch immer viele Fragen offen. Das liegt vor allem daran, dass die Urteile teils sehr unterschiedlich, teils sogar scheinbar widersprüchlich erscheinen. Wir zeigen Ihnen, warum Ebay-Verkäufer derart unterschiedlich beurteilt werden und welche Kriterien bei der Beurteilung einer Steuerpflicht eine Rolle spielen.

Gewinnerzielungsabsicht ist nicht ausschlaggebend

Viele denken, dass ein gewerblicher Verkauf nur dann vorliegt, wenn man beabsichtigt, Gewinn zu erzielen. Nach überwiegender Rechtsauffassung ist die Gewinnabsicht aber nicht erforderlich, um als Unternehmer zu gelten. „Überwiegend“ zeigt jedoch zugleich, dass es hier keine eindeutige Zuordnung gibt. Es wird immer im Einzelfall entschieden, denn auch das Gesetz macht hier nur sehr unkonkrete Angaben:

Laut § 1 Abs. 1 HGB heißt es:

„Gewerbliches Handeln ist eine selbstständige, planvolle, auf gewisse Dauer angelegte und wirtschaftliche Tätigkeit gegen Entgelt.“

Was heißt aber genau „planvoll“ oder „auf gewisse Dauer“? Es verwundert daher kaum, dass die Urteile, wann ein Ebay-Verkäufer gewerblich handelt, in Hinblick auf die Auktionen pro Monat oder pro Jahr sehr unterschiedlich ausfallen. Neben der Dauer kommt es auch auf die Höhe der Einnahmen, die Regelmäßigkeit und die Art der Waren an. Wer viele gleichartige Artikel verkauft und das regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg, wird wahrscheinlicher als gewerblicher Händler eingestuft als jemand, der ab und an gebrauchte Bücher, CDs, Kleidung oder Spielzeug verkauft.

Wann sind die Ebay-Einnahmen steuerpflichtig, wann nicht?

Wie bereits beschrieben, wird immer im Einzelfall untersucht, ob die Ebayverkäufe einem Gewerbe gleichkommen. Folgende Kriterien spielen dabei eine Rolle:

– Über welchen Zeitraum läuft der Verkauf?

– Wie intensiv ist die Verkaufstätigkeit – wie oft wird pro Monat wie viel verkauft?

– die Umsatzzahl

– der planmäßige Verkauf

– Warenvielfalt

Anhand der Gewichtung dieser Faktoren lässt sich feststellen, ob es bei den Einnahmen um Nachhaltigkeit geht oder einfach darum, ein paar alte Sachen loszuwerden.

In einem Punkt ist die Frage nach der steuerlichen Relevanz bei Ebay-Verkäufern aber eindeutig mit „Ja“ zu beantworten, nämlich dann, wenn gezielt Ware angekauft wird mit dem Ziel, sie über die Verkaufsplattform mit Gewinn wieder zu verkaufen.

Finanzamt kann Nutzerdaten von Ebay anfordern

Seit Mitte 2013 ist das Finanzamt befugt, Nutzerdaten von Handelsplattformen einzufordern. Begründet wird das damit, dass derartige Plattformen, bei denen sich jeder anmelden kann, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch mit der Absicht der Steuerverkürzung genutzt werden. Dabei werden vornehmlich Nutzer mit bestimmten Kriterien unter die Lupe genommen, d.h. z.B. bei einer Überschreitung von 17.500 € Einnahmen pro Kalenderjahr. Hier spielt es übrigens keine Rolle, ob Sie als gewerblicher oder privater Verkäufer angemeldet sind.

Fazit:

Die Menge der verkauften Waren und die Höhe der Einnahmen sind nicht entscheidend, wenn es um die Steuerrelevanz von Ebay-Verkäufen geht. Auch die Tatsache, dass es sich ausschließlich um Neu- oder Gebrauchtwaren handelt, ist nicht ausschlaggebend. Es kommt vielmehr auf die langfristige Verkäufertätigkeit in Kombination mit der Regelmäßigkeit sowie der Höhe der erzielten Einnahmen an.

 

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