Die Selbstanzeige bei Steuervergehen ist der einzige Weg, um einer Strafverfolgung zuvorzukommen und schlimmere Auswirkungen wie Bewährungs- oder Haftstrafen zu verhindern. Doch ganz so leicht, wie die Selbstanzeige in vielen Medien immer wieder dargestellt wird, ist sie in der Praxis nicht. Wir haben die wichtigsten Punkte zum Ablauf und zu den Inhalten der Anzeige zusammengefasst.

Wo muss man die Selbstanzeige stellen?

Die Details zur Selbstanzeige sind im Paragraph 371 der Abgabenordnung geregelt. Die Anzeige müssen Sie an das zuständige Finanzamt richten. Nur dann ist eine Straffreiheit möglich. In der Abgabenordnung gibt es keine genauen Hinweise zu den Formalitäten, d.h., Sie können die Selbstanzeige im Prinzip schriftlich oder mündlich durchführen. Da Sie ausführliche Angaben zur Art der Steuerhinterziehung machen müssen, empfiehlt es sich aber, die schriftliche Variante zu wählen. Auch die Bezeichnung „Selbstanzeige“ ist nicht erforderlich – weder mündlich noch schriftlich.

Inhalte – alle steuerrechtlich relevanten Angaben sind wichtig

Sie müssen in der Selbstanzeige nicht begründen, warum Sie Steuern hinterzogen haben. Wichtig ist nur, dass Sie sich an folgende Vorgaben halten:

1. Berichtigen Sie alle unrichtigen Angaben.

2. Vervollständigen Sie unvollständige Angaben.

3. Fügen Sie unterlassene Angaben hinzu.

Die Angaben müssen die letzten 10 Jahre einschließen.

So einfach diese Punkte auch klingen mögen, zeigen sie in der Praxis jedoch die größten Probleme und führen nicht selten dazu, dass die Selbstanzeige mehr Schaden als Nutzen bringt. Einige lassen z.B. Angaben weg, weil sie meinen, sie seien nicht für die Steuerhinterziehung relevant. Andere vergessen Angaben, weil sie einfach viele Jahre zurückliegen. Wir raten Ihnen daher, bei der Selbstanzeige auf die Erfahrung von Steuerberatern bzw. Rechtsanwälten zurückzugreifen.

Machen Sie in jedem Fall konkrete Angaben zum Steuervergehen, also z.B. zu den betroffenen Konten oder Depots, und geben Sie einen konkreten Hinterziehungsbetrag an. Falls das nicht möglich ist, weil für den genauen Betrag noch Unterlagen fehlen, so geben Sie zumindest eine Schätzung an mit der Bitte, den exakten Betrag nachreichen zu dürfen, wenn die betreffenden Dokumente vorliegen.

Allgemein sollten Sie die Steuerangaben so genau angeben, dass das Finanzamt ohne großen Ermittlungsaufwand die Steuerschuld nachvollziehen und überprüfen kann, um anhand der Angaben einen neuen Steuerbescheid zu erlassen.

Wann wird die Selbstanzeige unwirksam?

Es gibt Fälle, in denen eine Selbstanzeige zu spät ist, nämlich dann, wenn:

– Sie davon unterrichtet werden, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet wurde

– die Steuerhinterziehung aufgedeckt wurde und Sie von der Aufdeckung wussten

– schon ein Prüfer erschienen ist

Nachzahlung nach der Selbstanzeige

Ob ein Strafzuschlag für die unterlassenen Steuerzahlungen veranschlagt wird, hängt von der Höhe ab. Bei bis zu 25.000 Euro gehen Sie nach der Anzeige straffrei aus, vorausgesetzt natürlich, Sie zahlen den Betrag nach. Bei bis zu 100.000 Euro fällt ein Strafzuschlag von 10 Prozent an, bis zu einer Million fallen 15 Prozent an. Liegt der Betrag über einer Million Euro, müssen Sie 20 Prozent Strafzuschlag zahlen.

Das Finanzamt setzt eine angemessene Frist für die Rückzahlung, die in der Regel aber vier Wochen nicht überschreitet.

Von Steuerexperten beraten lassen

Laut Gesetzestext können Sie durch eine Selbstanzeige nur mit einer Strafbefreiung rechnen, wenn Ihre Angaben den Sachverhalt aufklären und zu einer neuen, richtigen Steuerfestsetzung führen. Gerade hier lauern die größten Fallstricke, denn wie bereits beschrieben kommt es sehr oft vor, dass Betroffene bestimmte Angaben nur unvollständig machen oder ganz weglassen, weil sie glauben, sie würden für die Berechnung keine Rolle spielen.

Möchten Sie sicher gehen, dass die Selbstanzeige auch wirksam ist und lediglich eine Nachzahlung bzw. Strafzuschläge statt einer Bewährungs- oder Haftstrafe nach sich ziehen, sollten Sie einen auf dieses Gebiet spezialisierten Rechtsanwalt oder Steuerberater beauftragen, wie z.B. unsere Kanzlei. Für Anfragen können Sie gern unser Kontaktformular nutzen.